Richtiges Lenken

 

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Eingangs lenken wir den Blick auf ein Grundthema den "Haftkreis oder Kamm'scher Kreis". Dies um ihnen ein Gefühl zu geben, was sie auslösen, wenn sie am Lenkrad drehen.

 

   

 

   
Der Kamm´sche Kreis (oder Haftkreis) zeigt uns in grafischer Form, wie es mit dem Grip (der Haftung) des Reifen bestellt ist.

Im Fahralltag ist der Reifen unterschiedlichen Kräften ausgesetzt.

  • Umfangskraft (Beschleunigung, Bremsung)
  • Seitenführungskraft (Fliehkraft)

Der Radius des Kreises zeigt das Ende der Haftung an. Werden nun die Spitzen der Kraftpfeile miteinander verbunden, ergibt sich eine resultierende Kraft (roter Pfeil). Liegt diese Kraft innerhalb des Kreises, ist noch Haftung gegeben - außerhalb nicht mehr (siehe Grafik).

Der Haftkreis ist umso größer, je griffiger der Fahrbahnbelag (trockener Asphalt, trockener Beton) und je höher die Radlast ist. Er ist somit umso kleiner, je weniger Grip die Fahrbahn aufweist (Eis, feuchte Fahrbahn) und umso geringer die Radlast ist.

Natürlich lassen sich diese Kräfte beeinflussen:

  • Fahrbahnzustand (griffig, glatt, ...)
  • Reifen (Profiltiefe, Alter, Winterreifen, Sommerreifen)
  • Luftdruck in den Reifen
  • statische und dynamische Radlast

Als Fazit kann angemerkt werden:

Das Autofahren ist ein Wechselspiel zwischen der Umfangskraft und der Seitenführungskraft. D.h. wir können nur dann eine Kurve in der gewünschten Linie durchfahren, wenn genügend Seitenführungskraft vorhanden ist, welche der Fliehkraft entgegenwirken kann. Die jedoch können wir durch die Fahrtgeschwindigkeit beeinflussen, denn - siehe Grafik - je geringer die Umfangskraft (Geschwindigkeit) ist, umso mehr Seitenführungskraft steht für die Kurvenfahrt zur Verfügung.

 

   
Ruhiges Lenken:

Aufbauend auf dem Wissen des Kamm'schen Kreises, wird nun auch der Umstand transparent, dass das Lenkrad ruhig und nicht ruckartig bewegt werden sollte. Denn mit einer ruhigen Lenkradbewegung, haben die Reifen die Möglichkeit die angeforderten Lenkkräfte langsam aufbauend umzusetzen. Wird jedoch hektisch und abrupt am Lenkrad gedreht, das Auto verrissen haben die Reifen keine Chance ihrem Wunsch zu entsprechen. D.h. sie werden am Lenkrad drehen und das Auto wird, trotz eingelenkter Räder, weiter geradeaus "rutschen".

Siehe hierzu den Haftkreis - die Umfangskraft ist für die spontane Richtungsänderung zu hoch - das Auto untersteuert - es schiebt über die Vorderräder zur Kurvenaußenseite.

In dieser Phase hat es nun wenig Sinn, wird jedoch zu 90 % täglich auf der Straße praktiziert, noch mehr einzulenken (die Lenkung weiter zu zumachen). Denn wenn die Räder die bereits anliegenden Lenkkräfte nicht in Seitenführung umsetzen können, können sie auch nicht noch mehr Lenkkräfte umsetzen, d. h. ein weiteres drehen am Lenkrad ist sinnlos. Hierbei hilft nur geregelt die Geschwindigkeit abzubauen - das Gaspedal langsam, nicht abrupt, lupfen (Gas wegnehmen), das Lenkrad in der vorliegenden Stellung belassen oder sofern genügend Platz zur Verfügung steht, die Lenkung etwas zu öffnen. Die, durch die Reduktion der Geschwindigkeit gewonnene Haftreibung kann der Reifen somit in die Seitenführung investieren.

Fazit aus dieser Erfahrung:

Ruhig, nicht hektisch, lenken - sie fahren eine Kurve dann richtig, wenn sie die Kurve einmal einlenken und mit diesem Lenkanschlag die gesamte Kurve durchfahren.

 

   

Ein weiterer Punkt, der eine richtige Lenkbewegung elementar beeinflusst, ist die richtige Sitzposition.
  • beide Schulterblätter haben Kontakt mit der Rückenlehne
  • die Arme sind abgewinkelt
   

Messung der Lenkraddistanz:

Wenn die Schultern Kontakt mit der Rückenlehne haben, strecken sie den Arm durch und legen ihm am oberen Lenkradkranz ab. Nun sollte die Handwurzel am obern Lenkradkranz liegen. Als Kontrolle greifen sie jetzt beispielsweise mit der linken Hand das Lenkrad nach der Methode 3/4 3 und lenken nach rechts. Wenn sie das Lenkrad um 180 Grad nach rechts gedreht haben und der Arm noch immer abgewinkelt ist, haben sie die richtige Distanz gefunden. Zur Einstellung dieser Distanz können sie die Rückenlehne aufrichten oder umlegen bzw. das Lenkrad zu ihnen oder von ihnen verschieben.

 
   

Das beste Gefühl für die Lenkung haben sie, wenn sie das Lenkrad mit der kurvenäußeren Hand und der Handstellung 3/4 3, schieben. Sie können hierdurch die Rückmeldungen der Reifen (an der Haftgrenze, rutschen, vereiste Fahrbahn, ...) fühlen und darauf gefühlvoll und dosiert reagieren.

   

Selbstverständlich gilt das Schieben am Lenkrad auch dann, wenn der Lenkeinschlag bei einer Lenkradhaltung 3/4 3 nicht ausreicht. Dies ist beispielsweise beim Einparken der Fall. Hier wird am Lenkrad mit den Händen "übergriffen".

z. B.: Sie fahren eine enge Linkskurve (etwa beim Einbiegen). Hier wird sich der Lenkeinschlag bei einer Haltung von 3/4 3 nicht ausgehen - sie werden sich bei der Lenkraddrehung selbst im Weg sein. Das ist ein typischer Fall für das Übergreifen. Sie drehen das Lenkrad mit der rechten (kurvenäußeren) Hand nach links bis auf etwa 9 Uhr. Nun greifen sie mit der linken Hand über den rechten Arm auf etwa 1 Uhr, ziehen das Lenkrad mit der linken Hand ein kurzes Stück weiter und ergreifen sofort mit der rechten Hand wieder auf 3 Uhr das Lenkrad. Jetzt können sie wieder gefühlvoll und dosiert das Lenkrad mit der rechten Hand schieben.

   

 

 

   

NO GO

Ein absolutes "No Go" bei der Lenkradhaltung ist es, das Lenkrad am oberen oder unteren Lenkradkranz zu halten.

Bei dieser Lenkradhaltung fehlt ihnen das Gefühl für das Auto:

  • Sie Bemerken kaum Rückmeldungen des Autos über den Fahrbahnzustand
  • Sie haben keine Chance, ein schlingen des Autos zu stabilisieren (im Gegenteil - es schaukelt sich immer mehr auf - im schlimmsten Fall bis zum Dreher)
  • Sie haben kein Gefühl für kontrolliertes Ausweichen an einem Hindernis (z.B.: Autobahn - Ladegut fällt auf die Fahrbahn)
  • Sie haben keine Chance ein untersteuerndes oder übersteuerndes Auto wieder einzufangen

Es stimmt schon, vor vielen Jahren wurde die Lenkradhaltung 10 vor 2 gelehrt. Über die Jahre und nicht zuletzt durch die Einführung des Lenkrad-Airbags wurde aus 10 vor 2 - 3/4 3. Denn nicht nur, dass ihnen viel an Lenkgefühl und somit in Fahrsicherheit durch eine falsche Lenkradhaltung genommen wird, begeben sie sich auch in Gefahr, sich schwere Verletzungen des Unterarmes und der Hand zuzuziehen. Der Grund dafür ist, dass der im Lenkrad befindliche Airbag in ms (Millisekunden), also explosionsartig, auslöst und sich füllt. Halten sie nun das Lenkrad in der Stellung 10 vor 2 oder noch enger, schlägt der Airbag die Hände im Auslösemoment vom Lenkrad - Schmerzen im Arm- und Handbereich. Halten sie das Lenkrad jedoch in Stellung 3/4 3, prallt der Airbag in der Auslösung nicht an ihren Unterarm sondern streicht ihre Hände (denn Sie halten das Lenkrad doch zu jedem Zeitpunkt mit beiden Händen) vom Lenkrad ab.

 

   

 

Blicktechnik:

Wir sehen dieses Phänomen in Westernfilmen - die Banditen, um schneller schießen zu können, ziehen sie ihre Revolver nur bis etwa Hüfthöhe - interessanterweise treffen sie auch.

Auch beim Auto- und Motorrad-Fahren hat es sich gezeigt, dass wenn sie etwas mit den Augen fixieren, dieses auch treffen.

So etwa der einsame Baum am Straßenrand, welcher auf einer gewissen Höhe keine Rinde mehr hat. Somit gilt für den Straßenverkehr, dass sie dort hinblicken, wo sie fahren wollen. D. h. sie fixieren mit ihrem Blick nicht den Baum, sondern blicken am Baum vorbei. Ein Fußgänger steigt vor ihnen auf die Fahrbahn - wenn sie ihn konzentriert anschauen, werden sie ihn auch treffen. D. h. sie suchen einen Ausweg und blicken in dessen Richtung.

Des weiteren blicken sie nicht unmittelbar vor ihrem Auto auf die Fahrbahn sondern etwa drei bis vier Autolängen weiter vor. Auf diese Weise erweitern sie ihr Sichtfeld und können auf etwaige Hindernisse zeitgerecht und ohne Hektik reagieren.